Mestre Pastinha
Vicente Ferreira Pastinha wurde am 5. April 1889 in Salvador de Bahia (Brasilien) als Sohn des Spaniers José Señor Pastinha und der Brasilianerin Eugenia Maria de Carvalho, die ihrerseits afrikanischer Abstammung war, geboren. Mestre Pastinha kam im zarten Alter von acht Jahren durch einen Afrikaner namens Benedito mit Capoeira in Berührung. Mestre Pastinha verlebte eine glückliche Kindheit in bescheidenen Verhältnissen. Vormittags besuchte er Kunstkurse an der Liceu de Artes e Oficio, wo er malen lernte, Nachmittags ließ er Drachen steigen und trainierte Capoeira. Drei weitere Jahre trainierte er bei Benedito.
Später besuchte er auf Wunsch seines Vaters hin eine Schule für Seefahrer. Er selbst konnte dort nicht weiter Capoeira trainieren, brachte es aber seinen Schulfreunden bei. Mit 21 Jahren verließ er die Schule, um Maler zu werden. Er nahm das Capoeira Training wieder auf, allerdings heimlich, da es damals verboten war.
Mestre Pastinha war ein außergewöhnlicher Mensch. Er war innovativ, klug und aufgeschlossen.
1942 gründete er die erste Angola Schule, das Centro de esportivo Capoeira Angola, in Pelourinho. Seine Schüler trugen schwarze Hosen und gelbe T-Shirts – die gleichen Farben wie die Ypiranga Futebol Clube, seine Lieblingsfußballmannschaft. 1964 veröffentlichte Mestre Pastinha das Buch Capoeira Angola. Er definiert Capoeira Angola darin wie folgt: Der eigentliche Kampf wird in hohem Maße nur simuliert – die bloße Andeutung eines Angriffs soll anerkannt werden; die Rituale, Strategien und Taktiken des Spieles stehen im Vordergrund, und ein Schwerpunkt liegt auf der Verspieltheit und Theatralik der Bewegung. Mestre Pastinha selbst arbeitete als Schuhputzer, als Schneider, als Goldschürfer, als Türsteher (Leão de Chácara), in einem Casino (Casa de jogo) und als Bauarbeiter am Porto de Salvador, um sich sein finanzielles Überleben zu sichern, damit er das tun konnte, was er am meisten liebte: ein Spieler der Capoeira Angola (Angoleiro) sein.
Sein ganzes Leben widmete Mestre Pastinha dem Capoeira Angola. Doch da er sich von den lokalen Behörden und ihren endlosen falschen Versprechungen verraten fühlte und keine Unterstützung erhielt, lebte er letzten Endes verlassen in einer Stadthütte. 1973 erblindete der alte Mestre, doch laut seinem Freund, dem bekannten brasilianischen Schriftsteller Jorge Amado, blieb er bis zu seinem Tod bei klarem Verstand. Am 12. April 1981 spielte das letzte Mal Capoeira. Am 13. November 1981 starb der Vater und Beschützer des Capoeira Angola, blind und schwerkrank, im Alter von 92 Jahren.
